Die 1. Preisverleihung am 25. August 2005 fand im Rahmen des 25. Erlanger Poetenfestes statt

Felix Philipp Ingold vor Mikrophon

Felix Philipp Ingold

Foto: Erich Malter

Anlässlich des 25. Erlanger Poetenfests vergibt die Kulturstiftung Erlangen erstmals den ‘Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung’. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird in diesem Jahr an den Schweizer Übersetzer, Lyriker, Kulturvermittler und wegweisenden Theoretiker Felix Philipp Ingold verliehen.

Fremdsprache. Gedichte aus dem Deutschen heißt ein früher Gedichtband von Felix Philipp Ingold – Ausdruck einer skeptischen Besonnenheit, der die eigene Sprache fremd und fragwürdig geworden ist. Darin finden sich Texte, für die Oskar Pastior den Begriff der “Vokalise” geprägt hat, wie z. B. eine ‘umgereimte’ Übersetzung von Goethes “Über allen Wipfeln ist Ruh”: “Üb er’s Fallen! Schlittern / Übst du – / …” Ingolds Gedichte sind reich an Anagrammen und Palindromen, die als Formen der Übersetzung gedeutet werden können. “Üb er’s: Übersetzen” sind denn auch folgerichtig Gedankensplitter zum Übersetzen überschrieben. Was übersetzen? “Was übersetzen, wen; ich übersetze ausschließlich Autoren, die als schwierig gelten, und zuerst übersetze ich deren schwierigste Texte. Ich übersetze, was mir zu denken, zu schreiben gibt.” (Ingold) Wie übersetzen? Zu denken gibt Ingold die Machart von Texten. Übersetzen ist für ihn eine Form der dialogischen Auseinandersetzung mit anderen Schreibpraktiken, zugleich auch eine Möglichkeit der Herstellung von literarischer Identität durch Verrücken und Andersmachen von Zeichen. Übersetzen heißt nicht notwendig auch Verstehen: “die gelungene Übersetzung nimmt auch Unverstandenes in die Zielsprache mit”. Das hat zur Folge, dass falsche Übersetzungen trotzdem die besseren sein können: “selbst elementare Fehlleistungen […] können gelegentlich zu poetischen Phantasielösungen führen” (Ingold). So ist am Ende alles Übersetzen ein zyklischer Prozess der Transformation von Gegenwart in Bedeutung, die zum Ausgangspunkt neuer Text-Welt-Produktion wird. Die These vom Ende des Autors bringt auch den Unterschied zwischen Textproduktion und Übersetzung zum Verschwinden. Der Übersetzer ist – wie der Autor – nicht Urheber, sondern Leser, Förderer und Vermittler von Schreibprozessen.

Felix Philipp Ingold erhält am Donnerstag, 25. August 2005, den ersten ‘Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung’. Die Teilnehmer der Übersetzerwerkstatt würdigen damit sein Engagement und Gesamtwerk als Übersetzer, Kultur-Vermittler und wegweisender Theoretiker.

In seinem Beitrag zur Übersetzerwerkstatt am Freitag, 26. August 2005, beschäftigt er sich mit dem Problem der Übersetzung kontextfreier Wörter und Eigennamen am Beispiel von Paul Eluard und Michel Leiris.

Aus der Begründung der Jury:

Wer sitzt in der Jury?

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